Bericht: Prof. Dr. Manfred Hintermair: „Inklusion und Hörschädigung – Sozial-emotionale Auffälligkeiten bei gehörlosen und schwerhörigen Kindern“

12.06.2015, 11:00 – 15:00 Uhr, Johannes-Vatter-Schule in Friedberg

Die Veranstaltung wurde durch einen Kombivortrag von Herrn Prof. Dr. Hintermair zur aktuellen Thematik der Inklusion hörgeschädigter Schülerinnen und Schüler gestaltet. Er referierte sehr umfassend und anschaulich, welchen Schwierigkeiten sich hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Inklusion sehen. Grundlegend schilderte er die Form des Lernens, die sich bei hörgeschädigten SuS in Studien herausfilterte. Somit speichern hörgeschädigte SuS im visuellen Bereich anders ab als hörende. Die Verarbeitung simultaner Reize im Gehirn sowie Probleme beim Verarbeiten sukzessiver Reize unterscheiden grundlegend die metakognitiven Prozesse bei der Sprachverarbeitung hörender und gehörloser Kinder. Hörgeschädigte SuS haben grundlegend eine andere Wahrnehmungssituation sowie emotionale und kommunikative Bedürfnisse, die im Umgang mit hörenden Schwierigkeiten hervorrufen können. Der Arbeitsschwerpunkt der Inklusion muss somit in der Gestaltung der sozialen Beziehungen von hörgeschädigten SuS liegen. Die Heterogenität der einzelnen Entwicklungsverläufe zeigte anschaulich, dass es keinen golden Weg zur gelingenden Inklusion gibt, aber dennoch Faktoren wie ein barrierefreier Zugang zur Sprache (Zukov), die Thematisierung der eigenen Situation, eine differenzierte Angebotsstruktur, ein anregendes und aktivierendes Beziehungsklima, der Kontakt mit Gleichbetroffenen und die Schaffung von Peergroup-Beziehungen durchaus Beachtung finden müssen, um sozialen und emotionalen Auffälligkeiten entgegenzuwirken und eine gelingende Inklusion angehen zu können.
Die Veranstaltung fand mit über 70 TeilnehmerInnen sehr großen Zuspruch, was für die Aktualität und ein großes Interesse an der Thematik spricht. Die Organisation im Umfeld der Johannes- Vatter-Schule wurde ebenso wie die Referentenwahl lobend rückmeldet. Ein großer Dank geht an die Schülerfirma der Johannes-Vatter-Schule für das tolle Catering.

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